Es ist ein wenig schade, dass sich dieser Thread hauptsächlich mit der Existenz von Werwölfen beschäftigt und kaum noch mit dem ausgezeichneten ersten Beitrag von Ricya, der die Frage nach dem Ursprung des Mythos stellt und gar nicht mal so genau auf das tatsächliche "Ja" oder "Nein" eingeht.
Vielleicht kann man erst einmal gewisse Punkte und Eigenschaften eines Werwolfes (nach heutigem "Hollywood"-Stand) auflisten und anschließend genauer betrachten.
Was zeichnet einen Werwolf aus?
1. Die minuten-/sekundenschnelle Umwandlung von einem Menschen zu einem Wolf.
2. Diese "tierischen" Triebe werden durch den Vollmond ausgelöst
3. Silber tötet diese Kreaturen.
4. Es handelt sich um reißende Bestien mit eher geringer Intelligenz.
5. Sonnenlicht tötet den Werwolf nicht, sondern regelt "zeitlich" die Rückverwandlung
(6. Eventuell war etwas mit Wasser, doch bin ich da nicht mehr sicher. Angst vor fließendem Wasser schreibe ich eher "Vampiren" zu und die Info von Wiki, ein Werwolf habe rasenden Durst, scheue jedoch Wasser, habe ich so eher noch nicht gehört)
Wenn wir den Werwoflmythos lüften (oder zumindest hinterfragen und eingrenzen möchten), dann sollte man zuerst einmal rundum abziehen, was überhaupt nicht zu diesem Mythos gehört und was lediglich hinzugedichtet wurde.
Werwölfe und Vampire entstammen nicht der "gleichen Blutlinie" wie Underworld und Van Helsing uns das erzählen (auch wenn das ein netter Plot ist). Sie führen auch keinen ewigen Krieg, versklaven sich gegenseitig oder fahren sonstwie aufeinander ab.
Dies sind cineastische (oder meinetwegen auch literarische) Ergänzungen, die teilweise überhaupt erst den Rahmen für die komplette Geschichte liefern. STREICHEN!
Die Anfälligkeit gegen Silber geht auf einen Filmemacher zurück. (Laut Wiki ist das aus dem Film "Der Wolfsmensch" von 1941 des Regisseurs George Waggner (Drehbuch Curt Siodmak)
http://de.wikipedia.org/wiki/Werwolf#Moderne_Werwolfdarstellungen. Zudem kommt in diesem Film kein einziges Mal Mondlicht vor
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Wolfsmensch#Sonstiges
letzter Satz).
Das bedeutet, dass noch vor 100 Jahren Menschen (unsere Großeltern!) bei einem "Werwolf" an etwas ganz anderes dachten, als wir dies heute tun.
Versuchen wir dieses Bild zu rekreieren:
- Ein Werwolf ist ein Mensch, der sich nachts in einen Wolf verwandelt und Tiere und Menschen reißt.
Damit hat der Werwolfmythos schon einiges eingebüßt und wir können fragen, welche Einflüsse in Erzählungen, der Geschichte und im täglichen Leben der Menschen dazu geführt haben, dass sie dachten, Werwölfe gingen um.
Wie Ricya bereits aufführte, gibt es verschiedene mögliche Erklärungsansätze, mit mehr oder minder überzeugender Begründung.
Vielleicht gehen wir hier einmal kurz auf verschiedene Ansätze ein:
- Lykanthropie
Lykanthropie beschreibt den "Wahn" überzeugt zu sein, man sei ein (Wer)Wolf. Heutzutage wird diese Krankheit jedoch kaum diagnostiziert. Sie dient eher der Beschreibung anderer Psychosen unter denen der Mensch anscheinend leidet. Laut dem Werwolf-Wiki-Eintrag (hier
http://de.wikipedia.org/wiki/Werwolf#Lykanthropie - ja, ich bin mir bewusst, dass ich nur Wiki anführe, aber einerseits ist es aktuell bequem und zweitens soll es lediglich dazu dienen, anderen die Möglichkeit zu geben meinen Gedanken zu folgen und darüber hinaus zu erkennen, wie ich auf bestimmte Dinge komme. Falls dabei ein Fehler im Denken oder den Ausführungen entsteht, so ist es problemlos möglich, an dieser Stelle noch einmal einzuhaken und weiter zu diskutieren) handelt es sich bei Lykanthropen um "Menschen, die sich als Individuum oder kollektiv wie Wölfe aufführten und heulten und auf allen Vieren herumkrochen".
Mein Urteil: Ich bin überzeugt davon, dass es sich bei mindestens 90% der Fälle, die zu einer Klassifizierung als Lykanthrop führten, um "Wolfskinder" handelte. (Vergleiche
http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfskind.
Ganz sicherlich starben einige dieser Kinder in der Wildnis und ganz sicher wurde in damaliger Zeit nicht jeder Fall bekannt oder gar untersucht. Es mag ein Aspekt gewesen sein, der bei ganz Leichtgläubigen dazu führte, dass sie an Werwölfe glaubten, aber der Ursprung des Ganzen? Nein!
(Insbesondere da man ja sowohl bei Lykanthropen als auch bei Wolfskindern hautnah erleben und untersuchen kann, dass es niemals eine Verwandlung gibt - weder bei Mondlicht, noch sonst.
Lykaon
Kurze Hintergrundgeschichte zu Lykaon:
http://de.wikipedia.org/wiki/Lykaon_(Arkadier
Lykaon testete Zeus' Göttlichkeit und wurde daraufhin zur Strafe in einen Wolf verwandelt. Er musste allerdings je nach Quelle mindestens zehn Jahre so durch die Gegend streifen. Es wird auch nicht von einer reissenden Bestie berichtet, als die er daraufhin unterwegs war.
Mein Urteil: Lykaon scheidet für mich bei der Betrachtung von Werwölfen vollkommen aus. Es ist in zig Göttergeschichten Gang und Gebe, dass Verwandlungen von Mensch zu Tier und umgekehrt erfolgen (Griechisch: Zeus verwandelt sich in einen Stier [und noch eine ganze Menge mehr Tierszenen]; Germanisch: Loki verwandelt sich in eine Stute, um den Hengst des Baumeisters abzulenken ... aus Tausend-und-eine-Nacht stammt meines Wissens nach das Märchen um Kalif Storch, der sich auf ein Zauberwort verwandelt).
Homers Epos mag Wahrheiten enthalten, doch die Verwandlung von Odysseus Gefährten in Schweine ist wohl nicht recht zu glauben. (Haben wir überhaupt einen Namen für "Schweine-Menschen"?)
Was sollte also diese Geschichte von Lykaon so sehr unterschieden und erhoben haben, dass er Modell für den Werwolfglauben stand?
Hypertrichose
Wikibeitrag zu Hypertrichose:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hypertrichose
Hypertrichose ist eine sehr seltene Erbkrankheit oder kann bei manchen Erkrankungen auftauchen. Dabei wachsen an im Normalfall unbehaarten Stellen lange Haare, wie zum Beispiel im ganzen Gesicht. Diese Krankheit ist nicht geschlechtsspezifisch und geht damit etwas ab vom eher typischen Bild des männlichen Werwolfes.
Mein Urteil: Nach meiner Einschätzung bietet Hypertrichose zwar eine gute Erklärungsmöglichkeit für Werwolfsichtungen, gemäß des Falles, dass man mitten in der Nacht einem derart stark behaarten Menschen begegnet. Doch wird dabei ausser Acht gelassen, dass die Menschen damals wohl zwar ungebildet waren, jedoch nicht bescheuert.
Menschen mit Hypertrichose waren Sensationen, tourten mit Jahrmärkten und wurden zur Schau gestellt.
Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass sie keineswges "Tiere" sind/waren, sondern lediglich Menschen mit mehr Haaren. Sie konnten sprechen und waren abgesehen vom Aussehen durchaus "gesellschaftsfähig".
Ich lasse durchaus zu, dass auch solche Menschen Verbrecher sein können und man deshalb bei Straftaten, bei denen ein Wolfsmensch gesehen wurde, jene (zurecht) beschuldigt. Auch, dass eine gewisse Angst aufkommen kann, dass bei einem Biss dieses Menschen, man selbst der Krankheit verfällt und zu einem Werwolf wird (Anmerkung: Ist dies überhaupt ein wirkliches Merkmal eines Werwolfes oder ist dies auch dazugedichtet?).
Somit mag Hypertrichose den Glauben genährt haben, jedoch kaum der Ursprung sein.
Viele "Glauben" und "Mythen" haben etwas handfestes und zentrales in sich, das den Glauben stärkt und nährt.
Gehen wir kurz auf Vampire ein, so hat sich dieser Glaube besonders dadurch gesteigert, dass bei Toten nach deren Begräbnis vermeintlicherweise die Fingernägel weiter wachsen. (Wobei jedoch eher das Gegenteil der Fall ist und die Finger und Zehen verschrumpeln und austrocknen, wodurch der Eindruck entsteht, die Nägel seien länger geworden).
Wir kommen also jetzt zu etwas "greifbareren" und "näheren" Ideen:
Anubis
Anubis Funktion im Totenreich ist ansatzweise mit der des christlichen Jesus zu vergleichen. Er sitzt beim Jenseitsgericht und entscheidet letztlich über den zu Richtenden.
Er ist ausserdem für das richtige Mumifizieren und Einbalsamieren zuständig, was augenscheinlich von seinen Priestern erledigt wird, die zu diesen Ritualen Wolfs-/Schakalmasken tragen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Anubis_(%C3%84gyptische_Mythologie
Mein Urteil: Anubis mag zwar erschreckend aussehen, ist aber "eigentlich ein ganz Lieber". Sein Zorn richtet sich nur gegen diejenigen, die es nicht wert sind ins Jenseits zu gelangen. Diese verschlingt er.
Es mag durchaus geschehen sein, dass Händler zu damaligen Zeiten von diesen Priestern berichteten und dabei unter den Tisch fallen ließen, dass es sich um Begräbnisrituale handelte. So wäre dann die Weitergabe eine Gruppe Menschen, die sich zu bestimmten Zeiten in Wölfe verwandeln. (Eventuell ist dies auch durch sprachliche Konflikte begründet, wenn sich ein europäischer und ein afrikanischer Händler miteinander unterhielten und beide nur in "Bröckchen" miteinander reden können.
Es *könnte* ein Ursprung sein, erscheint mir jedoch als "nicht ausreichend".
Kommen wir nun zu meinem Favoriten und dem auch von Wikipedia als Erklärung zum Ursprung Herangezogenen:
Skythen/Wikinger
Beitrag von Ricya
-Eine weitere Quelle besagt, dass die Legende des Werwolfes auf die Wikinger zurück geht. Bevor sie in den Kampf zogen, sollen sie sich Wolfsfelle übergezogen haben. Anschließend steigerten sie durch gewisse Rituale ihren Adrenalinspiegel, bis sie in die so genannte "Bersekerwut" verfielen.
In diesem Zustand wurden die innersten animalischen Instinkte freigelegt und sie mutierten zu regelrechten Kampfmaschinen.
Die Wikinger sollen in ihrem Wahn, ihre Opfer mit ihren bloßen Händen zerrissen haben. Nach der Schlacht brachen sie schließlich völlig erschöpft zusammen.
Stunden später, nach ihrem Erwachen, konnten sie sich zum Teil nicht mehr an ihre Bluttaten erinnern
Quelle: Eingangspost
http://www.paraportal.de/viewtopic.php?p=166493#p166493
und
Ausschnitt Wikipedia
(...)Der Ursprung der Werwolf-Sagen ist in kultischen Festen der Skythen zu suchen, bei deren Feierlichkeiten man sich mit einem wolfsgestaltigen Gott vereinte, indem man sich mit einem Wolfsfell bekleidete. Herodot berichtet (IV, 105), dass:
„… die Skythen und die im Skythenland wohnenden Hellenen behaupten, jährlich einmal verwandle sich jeder der Neuren für wenige Tage in einen Wolf und trete dann wieder in den menschlichen Zustand zurück.“
Von den Skythen gelangte dieser Kult zu den germanischen Völkern, später, als der Ursprung vergessen wurde, nur als Sage in Verbreitung.(...)
Quelle.
http://de.wikipedia.org/wiki/Werwolf#Ursprung
Bedenkt man noch einmal, dass es nicht wirklich eindeutig ist, um was für eine "Verwandlung" es sich handelt und diese entweder eine tatsächlich vollständige sein könnte, bis hin zu der wahrscheinlicheren Version, dass es sich um Masken und Verkleidungen handelt, dass der Mond keine Rolle spielt, dass Silber keine Rolle spielt und dass auch Wasser (mit ziemlicher Sicherheit) keine Rolle spielt, so erscheint diese Erklärung als Ursprung sicherlich als die naheliegendste.
Die anderen aufgeführten Möglichkeiten können generell sicher dazu beigetragen haben, dass man Werwölfe heutzutage so sieht, wie man sie halt sieht. Doch ein großes FAKT sollte sein, dass es sich NIEMALS um ein real existierendes Tier handeln kann!
(Falls dies jemand tatsächlich von Anfang bis Ende gelesen hat, bedanke ich mich für die Ausdauer und das Interesse!

)